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im Mai, 2005
Anmerkung der Autorin: In den Jahren 2000 und 2001
hielt ich mehrere Vorträge, in denen ich das Thema zur Sprache
brachte, wie der Click beim Clickertraining im Hirn verarbeitet werden
könnte. Viele Leute schickten mir Emails, um mehr zu erfahren.
Gewöhnlich wollten sie wissen, wann ich eine Arbeit über dieses
Thema publizieren würde oder wo sie mehr über diese Forschung
lesen könnten. Leider gab es zu dieser Zeit keine Forschung spezifisch
zum Clicker und es wurde auch keine gemacht bis zum heutigen Datum:
Mai, 2005. Die Beweisführung war nebensächlich. Die Leute
verdienten jedoch eine Antwort und ich gab diese, indem ich eine ausführlichere
Erläuterung in einer Email-Diskussionsgruppe geschrieben habe,
die der Diskussion von Clickertraining gewidmet ist. Hier ist die Nachricht.
Ich habe einige Kommentare am Ende angefügt.
Die deutsche Wissenschaftlerin Barbara Schöning ist eine Clickertrainerin
und eine Tierärztin mit Fachgebiet Neurophysiologie mit eigener
Praxis. Sie war es, die mich auf die Beziehung zwischen Clickertraining
und der Forschung über Reize und das limbische System aufmerksam
machte. Die Arbeit, an der Barbara Schöning und ich schreiben,
ist nur eine Hypothese, die unser Konzept darstellt. [Ich gestehe,
dass Barbara und ich in den folgenden Jahren nach unserem Treffen, die
Aufgabe ein gemeinsame Arbeit zu schreiben, nicht weiter verfolgten,
obwohl wir beide zu diesem Thema Präsentationen vor wissenschaftlichen
Gesellschaften in unseren jeweiligen Fachgebieten gemacht haben. KP]
Forschungen im Bereich der Neurophysiologie haben die Reize identifiziert
– helles Licht, plötzliche scharfe Geräusche –
die zuerst die Amygdala erreichen, bevor sie im Cortex oder im Teil
des Hirns, der für das Denken zuständig ist, ankommen. Der
Click ist ein solcher Reiz. Andere Untersuchungen zu konditionierten
Furchtreaktionen in Menschen, zeigen, dass diese ebenfalls über
die Amygdala etabliert werden und sind durch sehr schnelles Lernen charakterisiert,
häufig mit einem Durchgang, langes Behalten von Gedächtnisinhalten
und einem grossen Schwall von begleitenden Emotionen. Das New York
Times Sunday Magazine machte 1999 eine Titelgeschichte, in der
sie diese Forschung verfolgten.
Wir Clickertrainer sehen gleiche Muster von sehr schnellem Lernen, langem
Behalten von Gedächtnisinhalten und Gefühlsaufwallung, wobei
dies eher positive Emotionen als Furcht sind. Barbara und ich haben
die Hypothese, dass der Clicker ein konditionierter „Freudenreiz“
ist, der erworben und erkannt wird durch diese selben primitiven Bahnen,
was hilfreich wäre bei der Erklärung, weshalb er sich in seiner
Wirkung so unterscheidet von einem, sagen wir mal, menschlichen Wort.
Wenn dies wahr ist, könnte ein weiterer Faktor, der zur aussergewöhnlichen
Geschwindigkeit beiträgt mit der der Clicker und ein geclicktes
Verhalten erworben werden kann, der sein, dass der Click durch das ZNS
viel schneller verarbeitet werden kann, als jedes Wort. Auch in dem
am höchsten trainierten Tier oder in einer sehr sprachbegabten
Person, muss das Wort erkannt und interpretiert werden, bevor es “wirken”
kann und der Effekt des Wortes kann vermischt werden mit begleitenden
emotionalen Signalen, Merkmalen zur Erkennung des Sprechers und weiteren
solchen integrierten Informationen.
Das ist die Hypothese, basierend auf verschiedenen vorher unverbundenen
Forschungsgebieten; es sind keine Tatsachen oder Beweise. Dr. Schoening
und ich haben beide diese Hypothese an wissenschaftlichen Versammlungen
und an Treffen von Laien wie den APDT und der IMATA (Int. Marine Animal
Trainers Assoc.) vorgestellt, um a) zu sehen, ob andere dies interessant
finden und b) um möglicherweise andere dazu anzuregen, Forschung
in diese Richtung zu betreiben. Sowohl Laien, als auch wissenschaftliche
Zuhörer haben mit Interesse und Neugier reagiert.
Wir haben bis jetzt noch keine gemeinsame Arbeit zur Publikation eingereicht,
vor allem weil wir beide sehr beschäftigt sind. Wenn wir dies tun,
dauert es vom Einreichen des Artikels bis zur Publikation in einem wissenschaftlichen
Journal normalerweise mindestens ein Jahr, obwohl die Dinge etwas schneller
gehen übers Internet in der heutigen Zeit. Die eigentliche Forschung
kommt als nächstes. Im Hirn herumbohren ist nicht mein Spezialgebiet,
Barbara könnte dies wahrscheinlich. Ich würde schätzen,
dass harte Fakten 5 Jahre entfernt sind, nachdem jemand in irgendeinem
Labor genügend interessiert ist, damit zu beginnen, die Frage zu
untersuchen.
In der Zwischenzeit gibt es viele einfachere Arten von Feldforschungen,
die verschiedene Leute machen. Zum Beispiel haben einige Clickertrainer
informelle Vergleiche gemacht zwischen der Verwendung der Stimme als
Marker “Ja” in einigen Gruppen von Familienhundehaltern
versus der Verwendung eines Clickers in anderen Gruppen. Die empirischen
Resultate sind, dass der Lehrplan viel schneller erreicht wird und dass
es höhere Erfolgsquoten in der Clickergruppe gibt. Der Unterschied
ist offenkundig, denn dem Trainer bleiben am Ende eines sechs- oder
achtwöchigen Kurses noch zwei bis drei Wochen übrig und er
hat nichts mehr übrig im Lehrplan! (Die Leute machen dann gewöhnlich
mit Tricks weiter, machen eine Einführung in Agility oder gehen
weiter zum Programm des Fortsetzungskurses, um die Wochen aufzufüllen,
für die die Kunden bezahlt haben.)
Es wäre interessant, wenn auch nicht notwendigerweise einfach,
solche Vergleichsituationen zu analysieren, wenn auch nur um zu zeigen,
dass der Unterschied wirklich existiert (wenn er es denn tut). Was den
Unterschied verursacht, ist eine andere Frage: Die Hunde lernen vielleicht
schneller und genauer, aber die Menschen bekommen auch Feedback durch
den Clicker. Der Clicker erhöht ihre Aufmerksamkeit dem Hund gegenüber,
verbessert ihr Timing und löst, wie wir alle wissen, angenehme
Gefühle in ihrer Amygdala aus.
Es gibt viele zusätzlich mögliche neurologische und biochemische
Nebeneffekte vom Clickern. Hier folgt ein Kommentar von Pat Robards,
Clickertrainerin und Herausgeberin des Dogtalk Magazine in
Australien:
Jedes Mal, wenn der Hund einen Leckerbissen erhält, wird dadurch
das andere autonome System des Tieres angekickt: das parasympathische
Nervensystem (PNS). Dieser Teil des Nervensystems wird manchmal die
vegetative Funktion des Organismus genannt (Nahrungsverwertung, Verdauung
usw.).
Menschen erleben Episoden in denen das PNS aktiv ist, als angenehmes
warmes Gefühl, Entspannung, Zufriedenheit. Jedes Mal, wenn ein
vorher neutraler Reiz, wie ein Clicker oder ein nettes Wort mit einer
dieser parasympathischen Reaktionen durch klassische (respondente) Konditionierung
verknüpft wird, erwirbt der Clicker die Fähigkeit, ebenfalls
diese angenehmen Gefühle hervorzurufen. Dies ist der Grund, wieso
Leckerchen (und bald auch der Clicker) verwendet werden können,
um einen Hund zu beruhigen, ihn weniger ängstlich zu machen, den
ganzen Trainingsvorgang zu einer erfreulichen Erfahrung werden lassen.
Einer der Gründe, wieso Clickertraining so topaktuell ist! Ich
verwende es dank Karen Pryor, um Calming Signals bei einem ängstlichen
Hund zu markieren.
Also, ja, Clicker ist besser. Wieso? Hmm. Wir beginnen erst zu wissen,
welche Fragen wir stellen sollen.
Anmerkungen der Autorin: Das war die Nachricht. Sie schien die Hundetrainer
zufrieden zu stellen. Es interessierte niemanden aus der Hirnforschung,
soweit ich weiss. Von meinem Standpunkt aus, war der Unterschied einer
Reaktion auf einen Click und einer Reaktion auf ein Wort noch weiter
von Interesse und ich glaubte weiterhin, dass der Click, wie Verstärkung
generell, eher über den älteren Teil des Nervensystems agiert,
als über den kognitiven Teil des Gehirns (obgleich kognitive Prozesse
folgen können). Im 2005 jedoch hatten wir eine ganze neue Population
von Lernenden erworben, die auf den Clicker als “Freudenreiz”
konditioniert waren: Menschenkinder. Und diese können von der Erfahrung
berichten.
Das auf Verstärkung basierende Lehrsystem, welches den Clicker
verwendet, nennt sich TAGteach, Teaching with Acoustical Guidance (Anm.
der Übersetzerin: Lehren mit akustischer Lenkung). TAGteach wird
in Gymnastik, Tanz, Team Sportarten, Krankengymnastik, für Fertigkeiten
im Klassenzimmer, Golf, Tennis, Musik, Sprechtraining, und Therapie
verwendet—fast an jedem Ort, an dem exakte körperliche Aktionen
benötigt werden. Das Clickgeräusch wird als Markersignal verwendet,
in exakt der gleichen Weise, wie im Clickertraining, aber es gibt einen
grossen Unterschied: man kann den Lernenden sagen, welche spezifische
Bewegung oder Teil einer Bewegung einen Click auslösen wird.
Wie beim Clickertraining merkt ein Trainer, der es versteht, den TAG
korrekt zu verwenden, schnell, dass es nicht mehr nötig ist, Fehler
zu korrigieren; Fehler verschwinden, wenn Du die richtige Bewegung verstärken
kannst. Die Leute schätzen dies; Kinder und Erwachsene lachen und
freuen sich sichtlich darüber getagged zu werden. Sie lernen auch
schnell, sich gegenseitig zu TAGen für bestimmte Ziele: etwas,
was man von Tieren nicht wirklich erwarten kann.
Wie auch immer, die neurophysiologischen Symptome scheinen die gleichen
zu sein. Schneller Erwerb: solange die TAGpunkte innerhalb der Fähigkeiten
des Schülers liegen, sehen wir, wie durch zwei oder drei Clicks
neue Bewegungen entstehen. Langes Behalten: wenn die Bewegung erst gelernt
ist, wird sie nicht mehr vergessen. Ein erhebendes Gefühl, ein
Erfolgsgefühl im Moment, in dem man den TAG hört. “Ich
mag den TAG”, sagte eines der Kinder, “weil ich GEWINNE
.” Und es gibt da noch eine andere starke nicht-kognitive Reaktion:
Gymnastik Trainerin Theresa McKeon berichtet, dass wenn ihre Schüler
sich mitten in der Luft drehend, einen TAG bekommen, sich ihre Pupillen
erweitern. Man kann es auf dem Video sehen.
Karen Pryor, Mai 2005
Copyright 2005 Karen Pryor Clickertraining and Sunshine
Books, Inc.
phone: 781-398-0754 — website: www.clickertraining.com
Originalversion in Englisch unter: The
Neurophysiology of Clicker Training
Übersetzung: Simone Fasel
Übersetzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karen Pryor.
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