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FALLSTUDIE: Der geräuschempfindliche Border Collie
 

von Deborah Jones, Ph.D.

Beschreibung:

Gracie ist eine 18 Monate alte, unkastrierte Border Collie Hündin.

Vorgestelltes Problem:

Gracie zeigt extrem ausgeprägte Furchtreaktionen bei von Menschenmengen verursachten Geräuschen, besonders Pfeifen und Klatschen. Wenn es möglich ist, probiert sie aus lauten Umgebungen mit vielen Geräuschen zu fliehen.

Gracie fürchtet sich NICHT vor anderen lauten Geräuschen, wie Donner oder Feuerwerk.

Vorgeschichte:

Gracie wurde von ihrer Besitzerin gezüchtet. Von beiden Eltern wird berichtet, dass sie ruhige Charakter haben. Ihr Vater ist ein arbeitender Hütehund, der aus England importiert wurde und ihre Mutter hat die folgenden Obedience Titel bekommen: OTCH, UDX, OA, OAJ, AD.

Gracie erlebte Hundeausstellungen und Trainingsgruppen seit sie 10 Wochen alt war und es wurde von ihr berichtet, dass sie sich in diesen Umgebungen sehr wohlgefühlt hat.

Gracie wird beschrieben als "sehr weich, sehr intelligent und eine sehr talentierte Springerin ". Trotz ihrer Furchtsamkeit hat sie diese Titel bekommen: AKC NA and NAJ und ihreUSDAA AD Titel.

Vorangehende Ereignisse:

Gracies Probleme begannen als sie 14 Monate alt war. Ihre Besitzerin nahm sie mit zu einem Obedience Trainingsseminar. Es war das erste Seminar, an dem Gracie teilnahm. Die Besitzerin berichtet, dass der Seminarleiter, der an seinem Pulloverkragen ein Mikrophon befestigt hatte, einen lauten, durchdringenden Pfiff machte, um die Aufmerksamkeit der Anwesenden zu gewinnen. Der Seminarleiter liess die Teilnehmer aufgeregt mit ihren Hunden spielen und benutzte dann die Pfeife, um zu signalisieren, dass die Besitzer wieder aufhören sollten.

Der laute Pfiff, verbunden mit der Verstärkung durch das Mikrophon war ziemlich erschreckend und furchteinflössend für einige der Hunde. Als Gracies Besitzerin realisierte, dass Gracie nervös wurde von diesem Geräusch, brachte sie sie in die Box, aber brachte sie nicht aus dem Umgebung raus.

Gracies Besitzerin realiserte, dass dies ein andauerndes Problem war, als sie mit anderen Leuten in einer anderen Umgebung trainierte. Jemand pfiff, um die Aufmerksamkeit seines Hundes zu erlangen und Gracie begann zu zittern und probierte, den Bereich zu verlassen. Ihre Besitzerin beschrieb dies als „totales Zusammenbrechen“. Diese Furchtsamkeit und das begleitende Meide- / Fluchtverhalten eskalierten und wurden auf alle Situationen generalisiert, in denen Leute lärmten und viele Geräusche machten. Gracie zeigte diese furchtsame Reaktion sogar auch in familiärer Umgebung.

Gracies Besitzerin berichtet, dass sie grosse Schwierigkeiten hat an Agilitywettbewerben, besonders Gracie an die Startlinie zu bekommen, wenn die Leute andere anfeuerten und klatschten. Gracie rannte ihrer Besitzerin einmal davon, während dem Aufwärmen an den Übungssprüngen und schien zum Auto / zu ihrer Box zu rennen. Sie stoppte jedoch und kam zurück, als man sie rief.

An ihrem ersten Agilitywettbewerb (drinnen und ziemlich ruhig) lief Gracie gut. Der zweite Anlass (auch drinnen) war sehr überfüllt und laut und Gracie wurde extrem nervös. Das furchtsame, von Panik gezeichnete Verhalten ist viel mehr ausserhalb des Rings ein Problem als innerhalb. Ihre Besitzerin berichtet, dass es sehr schwierig ist, sie entspannt und konzentriert zu halten und sie in den Ring zu bringen. Erstaunlicherweise ist Gracie fähig zu rennen und einen Parcours zu beenden (sogar eine Klasse zu gewinnen), wenn sie auch etwas erschreckt, wenn sie einen Pfiff im Ring nebenan hört.

Vorangehende Behandlungsversuche:

Gracies Besitzerin hat eine ganze Anzahl Techniken / Behandlungen bei diesem Problem ausprobiert.

Sie berichtet, dass sie die "Cheque Drops" abgesetzt hat (ein Prdoukt, welches dazu da ist, die Läufigkeit bei unkastrierten Hündinnen zu unterdrücken). Es scheint nicht wahrscheinlich, dass dieses Produkt ein Einfluss auf die Furchtreaktionen hat.

Eine sehr nützliche Behandlung für Gracie war die Verwendung eines Gentle Leaders. In Gracies Fall schien es eine beruhigende, entspannende Wirkung zu haben (dies wurde auch von vielen anderen Fällen berichtet).

Gracies Besitzerin hat ein pflanzliches Mittel verabreicht, welches sich “Calm Down” (Anm. der Übersetzerin: auf Deutsch etwa „Beruhige Dich“) nennt, um ihr dabei zu helfen, sich zu entspannen. Den aufgelisteten Inhaltsstoffen (Baldrian, Passionsblume, usw.) wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Sie hat Gracie auch ein Produkt mit Namen „ St. John's Wort“ gegeben. Es gibt Berichte, dass dieses Mittel bei Menschen Depressionen lindern konnte. Es gibt jedoch keine kontrolliert durchgeführten klinischen Studien, die diese Wirkung bestätigen würden. Ihre Besitzerin berichtet, dass das “Calm down” zu helfen scheint, aber sie hat keine Veränderung durch das St. John's Wort bemerkt.

WICHTIG: Berate Dich immer mit Deinem Tierarzt, bevor irgendeine Art von Mittel verabreicht wird, auch solche, die frei erhältlich sind. Auch bei Produkten, bei denen mit „natürlich“ geworben wird, können gefährlich sein.

Gracies Besitzerin machte eine Aufnahme von Pfiffen und Klatschgeräuschen, um diese zu Hause abzuspielen und hat sich angestrengt, sie diesen Geräuschen in anderen Situationen näher zu bringen (wie Fussballspiel von Kindern im Park).

Gracies Besitzerin hat auch mit Clickern und Belohnen für „tapferes“ Verhalten im Training und an Wettbewerben gearbeitet.

Diagnose and Prognose:

Gracie zeigt eine erlernte Furchtreaktion auf Pfiffe, Klatschen und andere laute Geräusche. Diese Reaktionen scheinen spezifisch in Situationen aufzutreten, wo Hundetraining/Hundesportanlässe stattfinden.

Ich glaube, dass Gracie aus verschiedenen Gründen eine sehr positive Prognose hat.

Erstens: ihre Besitzerin ist eine erfahrene Hundetrainerin und ist willens an dem Problem zu arbeiten. Die Besitzerin ist realistisch und versteht, dass dies eine langwierige Angelegenheit werden kann. Dazu versteht die Besitzerin auch, dass Zwang das Problem nur schlimmer macht.

Zweitens: Gracie ist sogar dann noch fähig, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, wenn sie sich in einer Umgebung befindet, die ihre Furcht auslöst. Dies legt nahe, dass Gracie nicht komplett von ihrer Furcht überwältigt ist. Es ist auch ein erstaunliches Zeugnis, ihres zugrundeliegenden Arbeitswillens.

Abschliessend berichtet ihre Besitzerin, dass Gracie Hütearbeit machen kann und dass Pfeifen, die in dieser Umgebung verwendet werden, sie nicht stören. Dies ist ein sehr positiver Hinweis, da er nahe legt, dass Gracie lernen kann, ihre Furcht zu ignorieren, wenn die Aktivität / der Verstärker unwiderstehlich für sie ist.

Empfehlungen:

Gracies Besitzerin hat bereits eine Anzahl sehr vernünftiger Techniken angewendet, um mit diesem Problem umzugehen. Ich werde nun jedoch diese betonen, die ich für besonders nützlich halte und einige weitere Vorschläge anfügen.

1. Entferne den zusätzlichen Druck verursacht durch das Abverlangen von Leistung in der Furchtsituation. Nimm Gracie zum Beispiel zu Trainingsitzungen und Agilitytrainings mit, wo andere Leute laut und aufgeregt sind. Gestatte es Gracie, einfach dazu sein, während Du sie ignorierst. Wenn es möglich und sicher ist, leine sie ab und stell ihre offene Box in die Nähe. In einer öffentlichen Situation könntest Du ihre Box innerhalb eines Geheges aufstellen oder sie an eine lange Leine binden. Lass Gracie absolut alles machen, was sie will, ohne dies zu kommentieren. Wenn sie jedoch Anzeichen zeigt, dass sie ruhig und entspannt ist, clicke und belohne sie. Versuche nicht, irgendwelchen bestimmten Verhaltensweisen von ihr zu bekommen, lass sie selber herausfinden, wie sie ihre Belohnung bekommt.

Es ist wichtig, sich der Körpersignale von Gracie sehr bewusst zu sein, die entweder Spannung oder Entspannung signalisieren. Die meisten Besitzer sind sehr gut darin, Ohren- und Schanzwhaltungen zu lesen, sowie Körperhaltungen und Gesichstausdrücke. Halte Ausschau nach den kleinen Zeichen, dass Gracie ein entspanntes Interesse an den Aktivitäten um sie herum zeigt. Clicke und belohne für alles, was NICHT Furcht oder Fluchtverhalten ist. Wenn Gracie es vozieht, sich in ihrer Box zu verstecken, ist die in Ordnung, ignoriere sie einfach. Sie wird rauskommen, wenn sie sich sicherer und geschützter fühlt. Dies muss ihre eigene Entscheidung sein. Wir können unsere Hunde nicht zwingen, tapfer zu sein.

2. Schaffe eine Verknüpfung zwischen dem furchteinflössenden Reiz und geliebten Aktivitäten. In Gracie's Fall wollen wir Lärm und Klatschen mit Hütearbeit verbinden. Mach jede Menge Lärm kurz bevor Gracie beim Hüten an die Reihe kommt. Bitte Leute zu klatschen und zu pfeifen kurz bevor und während dem sie hütet. Beginne langsam und einfach und erhöhe den Pegel des Lärms und der Aufregung, wenn Gracie zeigt, dass sie diese ignorieren kann. Überfordere sie zu Beginn nicht. Du willst, dass Gracie den Lärm und die Aufregung kaum bemerkt. Wir wollen, dass der Lärm anzeigt, dass Gracies Lieblingsbeschäftigung gleich beginnen wird.

Wenn Gracie dies gut kann, mach ein bisschen Agilitytraining vor dem Hüten. Stell ein oder zwei Sprünge auf oder einige Slalomstangen. Lass Gracie diese Hindernisse absolvieren, klatsche und pfeife und erlaube ihr dann, zu hüten.

HINWEIS: Du kannst diese Technik verwenden, indem Du einen abgeschwächten Version von dem furchteinflössenden Reiz mit der Lieblingsbeschäftigung Deines Hundes verknüpfst. Stell Dir zum Beispiel einen Hund vor, der Angst vor Regenschirmen hat und dessen Lieblingsbeschäftigung das Fressen ist. Lege einen (ungeöffneten) Regenschirm in denselben Raum, in dem der Hund sein Futter frisst. Bewege den Regenschirm jeden Tag näher an seine Futterschüssel heran. Dann beweg ihn wieder weiter weg, aber öffne ihn. Dann wiederum jeden Tag ein bisschen näher bringen. Dann beweg ihn weiter weg (geöffnet) und beweg ihn ein bisschen herum, während der Hund frisst. Füge jeden Tag (wenn der Hund fähig ist, den Regenschirm zu ignorieren) ein bisschen mehr Bewegung hinzu.

3. Entwickle ein Aufwärm-Ritual vor Beginn des Wettbewerbs, welches Deinem Hund Spass macht. Halte Dich strikte an dieses Ritual, sowohl im Training als auch an einer Prüfung. Gracie's Besitzerin berichtet, dass die schwierigste Zeit die ist, bevor Gracie im Ring ist, besonders wenn es viel Aufregung hat. Das Ritual vor dem Wettbewerb sollte helfen.

Das Ritual sollte körperliche Aufwärmübungen beinhalten (inklusive Aufwärmsprünge), sowie Tricks, Spiel, und einen Plan, wie man problemlos zur Startlinie kommt. Mach auch einen Plan für den Fall der Fälle, wenn Du an die Linie gerufen wirst, dann warten musst oder eine Pause machen musst, bevor Du laufen kannst (dies passiert jedem von uns!).

Das Ritual dient zwei Zwecken. Zum einen gibt es Gracie einen vorhersehbaren Ablauf vor ihrem Lauf. Beständigkeit im Ablauf der Ereignisse und Vorhersagbarkeit werden zu einem Gefühl der Behaglichkeit und Sicherheit führen. Zum anderen bleibt Gracies Fokus auf Dir und auf der Arbeit. Dies lässt ihr nicht mehr viele Möglichkeiten, nervös und gestresst zu werden.

Entwickle und übe das Ritual, so wie Du auch jede andere Übung trainieren würdest. Berücksichtige dabei, Gracies Bedarf nach körperlicher Vorbereitung, um zu laufen genauso, wie die Notwendigkeit, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Das ideale Ritual wird für jeden Hund anders aussehen. Einige müssen mehr auf Touren gebracht werden, andere müssen sich mehr entspannen. Experimentiere ein bisschen mit Deinem Ritual bis Du damit Deinen Hund in einem optimalen körperlichen und mentalen Zustand der Vorbereitung vor dem Lauf bringst.

Einem Hund der kribbelig und nervös ist, kann körperliche Bewegung helfen, dass angesammelte Adrenalin und andere Stresshormone abzulassen. Die Bewegung kann entweder antreibend sein (hüpfen, springen, rennen) oder beruhigend (eine Sequenz von Sitz, Platz, Steh – Wechseln absolvieren).

Als Beispiel hier mein Basis-Ritual vor den Läufen, welches ich mit meinem Papillon entwickelt habe. Wie gesagt, wird das Ritual für jeden Hund und Besitzer anders sein. Dies könnte Dir aber einige Ideen geben.

Früh am Morgen machen wir einen ziemlich entspannten Spaziergang an der Flexi-Leine im Gelände. Ich erlaube ihm, alles was er will zu untersuchen und überall zu schnüffeln. Wenn die Zeit für unseren Lauf näher rückt (ungefähr eine halbe Stunde vorher, wenn es möglich ist), machen wir einen kontrollierteren Spaziergang an einer kürzeren Leine, um den Ring herum. Ich verlange ab und an einige Obedience-Übungen, wie Sitz, Platz, Fuss und Komm. Ich verwende Futter oder Spiel als Verstärker. Wenn unser Lauf noch näher rückt, machen wir ein paar körperliche Aufwärm- und Stretchübungen gemischt mit ein paar Tricks (Drehen, auf den Hinterbeinen gehen, rückwärts rennen...) Wir machen eine Reihe von Aufwärmsprüngen zusammen mit ein paar Rennspielen, wie "Achtung, fertig, los!". Während wir warten, um an den Start zu gehen, massiere ich ihn vielleicht ein bisschen. Wir spielen auch einige sehr interaktive Spiele, wie „Komm hierher, komm zurück“, "geh rein, geh raus" und "schau mich an, Du bist frei". Da Cooper klein ist und es nicht mag, wenn andere seine Individualdistanz unterschreiten, trage ich ihn gewöhnlich in den Ring und stelle ihn erst im letzten Moment auf den Boden und lasse ihn die Startposition einnehmen.

4. Fahre damit weiter, Gracie Geräuschen auszusetzen, aber überfordere sie nicht. Unser Ziel ist es, Gracie zu helfen, sich an den Lärm zu gewöhnen (nicht mehr darauf zu reagieren). Wenn wir jedoch Flooding (Überfluten mit dem furchteinflössenden Reiz) anwenden, werden wir ihre Fortschritte zunichte machen. Flooding als Technik anzuwenden, ist eine sehr schlechte Idee und die meisten Psychologen raten davon ab. Viele Leute haben jedoch noch immer die Vorstellung, dass man ein Tier (oder eine Person) zwingen muss, sich ihrer Furcht zu stellen. In Wirklichkeit schadet dies viel mehr, als es hilft.

Stell Dir vor, Du würdest gezwungen, in der Nähe von etwas zu sein, was Dich in panik versetzt (Höhe, Schlangen, tiefes Wasser, usw.). Würdest Du Dich einfach “daran gewöhnen”? In den meisten Fällen: nein. Stattdessen würde Deine Panik immer mehr zunehmen und Du würdest bei der erstbesten Gelegenheit fliehen. Die Flucht wäre das einzige, was Deine Furcht mindern würde. In Zukunft würdest Du wieder versuchen, Deine Furcht durch Flucht zu verringern. Was Du hier durch negative Verstärkung gelernt hast, ist, dass Flucht der einzige Weg ist, Deine Furcht einzudämmen.

HINWEIS: Negative Verstärkung ist ein häufig missverstandener Begrifft. Negative Verstärkung bedeutet, dass man erreichen kann, dass ein Verhalten häufiger auftritt, indem ein unerfreulicher Reiz entfernt wird. In diesem Fall ist das Verhalten, welches verstärkt wird, das Fluchtverhalten, da es das Subjekt vom furchteinflössenden Reiz entfernt.

Denke immer daran, dass Lernen nicht stattfinden kann in einer Situation, in der der Hund von seinen Gefühlen überwältigt ist. Die Furchtreaktion setzt bewusstes Denken ausser Kraft. Um dem Hund zu helfen, dass er lernen kann, müssen wir den furchteinflössenden Reiz auf einem Level halten, welches tief genug ist, dass der Hund noch normal “funktionieren” kann.

Bemerkungen:

Geräuschempfindlichkeit scheint in Hütehunderassen häufiger aufzutreten, als bei anderen Hundetypen. Eine Theorie ist, dass Hütehunde Geräuschen exakt gewahr werden müssen, die auf eine bevorstehende Gefahr hinweisen könnten und diese Gegebenheit zusammen mit ihrere Fähigkeit sehr schnell zu lernen und sich anzupassen, könnte bei ihnen dazu führen, dass sie viel schneller als andere Hunde Geräuschangst entwickeln.

Gracie scheint diese Furchtreaktion in den nur ein- oder zwei Malen entwickelt zu haben, in denen sie den Geräuschen ausgesetzt war. In wissenschaftlicher Ausdrucksweise nennt sich dies "one-trial learning" (Lernen in einem Durchgang). Typischerweise braucht es mehrere Durchgänge, damit Lernen stattfinden kann. Wenn man es jedoch mit extremen emotionalen Reaktionen zu tun hat (wie Angst), kann eine einzige, sehr lebhafte Erfahrung bereits genug sein. „One-trial learning” ist eher eine Form der klassischen Konditionierung (Lernen einer Reiz-Reaktions-Verbindung) als operante Konditionierung (Lernen von einer Verhalten-Konsequenz-Verknüpfung). Klassische Konditionierung führt zu automatischen Reaktionen auf bestimmte Reize in der Umgebung. In Gracies Fall ist der Reiz der Lärm und die Reaktion die Furcht. Sobald die Furchtreaktion einmal ausgelöst wurde, ist Gracies einzige Möglichkeit damit umzugehen, zu probieren zu fliehen oder es auch wirklich zu tun. In diesem Zustand ist es sehr schwierig, dass neue Reaktionen gelernt werden können.

Das ist die Schattenseite davon, einen so schnelllernenden Hund zu haben! Sie können ungewollte Reaktionen ebenso schnell, häufig sogar noch schneller lernen, als die Dinge, die wir ihnen beibringen wollen.

Die Generalisierung von Furchtreaktionen geschieht sehr schnell. Die Reaktion, die in einer bestimmten Situation gelernt wurde, wird in jede Situation übertragen, die ähnlich erscheint. Wenn dies nicht verhindert wird, führt dieser Kreislauf dazu, dass sich Furcht und Vermeidung in erstaunlicher Geschwindigkeit weiterentwickelt.

Leider ist es schwieriger die gelernte Verbindung rückgängig zu machen, als sie in erster Stelle zu lernen. Es kann jedoch geschafft werden. Es braucht Planung, Einsatz und Geduld, um diese Art von Problem zu bewältigen.


Copyright Deborah Jones & Clean Run Magazine

Originalversion in Englisch unter: Case study: The sound-sensitive Border Collie

This article originally appeared in the december 2000 (Vol. 6) issue of Clean Run – the magazine for dog agility enthusiasts. It is reprinted with the permission of Clean Run and the author. For more information on Clean Run, visit www.cleanrun.com

Übersetzung: Simone Fasel

Übersetzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Deborah Jones und Clean Run Magazine.