OK, OK,
denk daran, dass war noch bevor ich den Clicker benützte, es war
der Moment, als ich vom Blitz getroffen wurde, nachdem ich “Gehorsamstraining”
aufgegeben hatte, aber noch bevor ich wusste, was dieses nun ersetzen
sollte. Ich bin, in Kanada, die Grossmutter der Riesenschnauzer und
erhalte diesbezüglich oft Anrufe, um Fragen zu beantworten und
Leuten mit Problemen mit Riesenschnauzern zu helfen. Freunde wurden
gerade geschieden und die Anspannung Zuhause hatte ihre 15 Monate alte,
selbstgezüchtete Riesenschnauzerhündin ziemlich verrückt
werden lassen. Sie riefen an, um zu erzählen, dass sie sie zu einer
Hundeausstellung gebracht hatten, sie aber nicht hatten ausstellen können,
da sie in ihrer Box war und niemand sie da rausholen konnte (ein professioneller
Aussteller erzählte mir später, dass er in die Box geschaut
hatte aus einiger Entfernung und „da war nichts in DIESER Box
als RIESIGE ZÄHNE und EINE MENGE DAVON“). Sie brachten die
Box auf ein Flugzeug und ich holte sie am Flughafen ab und stellte sie
in meinem Wohnzimmer ab.
Sie hatten recht, da war jede Menge Bewegung und Schütteln in der
Box und nichts davon in einer freundlichen Art. Da ich nicht wusste,
was ich sonst tun sollte, öffnete ich die Boxentür und setze
mich schnell auf das Sofa (ich war schon seit laaaaaanger Zeit ein Sofa-Trainer!)
mit einem Besen, um sie wenn nötig abzuwehren. Sie sass in ihrer
Box und fletschte und schnappte während einer langen Zeit und als
sie schliesslich etwas ruhiger wurde (pures Glück, ich hatte KEINE
Ahnung, was ich machte), flüsterte ich „ja“ und warf
ihr ein Stückchen Hot Dog in die Box, was eine weitere Runde Fletschen
und Schnappen auslöste und überall Zähne zum Vorschein
brachte.
Sie brauchte drei Stunden bis sie überhaupt das erste Stück
nahm und eine weitere Stunde, um die 3 Meter zwischen der Box und meinem
Schoss zurückzulegen. Für den Rest des Tages, behielt ich
sie mit einer Leine bei mir und sagte „ja“, wenn sie etwas
Vernünftiges tat und ignorierte sie und ging weg, wenn sie etwas
tat, was weniger als vernünftig war. Am nächsten Abend war
sie sehr schön beruhigt und schien zu glauben, dass ich fähig
war das Universum zu kontrollieren, ohne dass sie sich darüber
Sorgen machen oder helfen musste. Ich nahm sie und einen anderen Riesenschnauzer
zu einem Trainingsgebäude mit und gab die Leine einer zuverlässigen
Freundin während ich mit dem anderen Hund arbeitete. Die Hündin
war ein bisschen misstrauisch, aber schien vernünftig reagieren
zu können. Ich sagte meiner Freundin, sie solle sie ignorieren
und ihr ab und zu ein Stückchen Hot Dog anbieten. Alles ging gut
bis jemand anderes auftauchte, ein Hund bellte, sie sprang auf und riss
meiner Freundin die Leine aus der Hand und schoss aus der Türe.
Sue Ailsby, professionelle Hundetrainer - Motto: Ich kann alles in weniger
als 24 Stunden töten! Als ich zur Türe raus rannte, sah ich
sie mitten auf der Strasse stehen, auf ihren Zehenspitzen, mit weit
aufgerissenen Pupillen, sollte sich jemand trauen zu atmen, wäre
sie WEG – ein schwarzer Hund inmitten einer fremden Stadt, mitten
in der Nacht und niemand würde sie JE einfangen. Noch immer ohne
die geringste Ahnung, was ich tat, begann ich „ja“ zu sagen
und so zu tun, als hätte ich einen Hot Dog. Als ich es das dritte
Mal sagte, sah ich, dass ihre Pupillen kleiner wurden. Das vierte Mal,
sah sie sich um, als wäre sie soeben aufgewacht, schüttelte
sich kurz und trottete zu mir herüber mit einem zittrigen kleinen
„Mensch, ist das unangenehm mitten auf der Strasse! Lass uns wieder
reingehen!“.
Als ich Zuhause ankam, erzählte ich meinem Ehemann, der Chirurg
ist, was passiert war und sagte „Es war absolut verblüffend
– es war als hätte sie jemand mit einem Beruhigungspfeil
getroffen. In einem Moment war sie total ausgeflippt und im nächsten
Moment war sie absolut entspannt!” Und er antwortete „Du
weißt wirklich nicht, was passiert ist, oder?! Du hast ihr ein
Wort beigebracht, welches sie dazu bringt über Futter nachzudenken.
Als sie über Futter nachdachte, war sie physisch nicht fähig,
Adrenalin zu produzieren. Als sie damit aufhörte, Adrenalin zu
produzieren, hörte sie auch auf, Angst zu haben“. Dies führte
zu meinem Bild vom grossen roten Knopf, den ich auf der Stirn des Hundes
„installieren“ konnte, indem ich den Click mit Futter verknüpfte
und wenn sich dann der Hund einer Situation näherte, in der er
ängstlich, wütend oder hysterisch aufgeregt werden würde,
konnte ich „meine Hand ausstrecken und den Knopf drücken“
und den ganzen Prozess kurzschliessen, indem ich ganz einfach „ja“
sagte und den Hund dazu brachte, über Futter nachzudenken.
Die Idee den Körper des Hundes FÜR mich zu nutzen, war so
weltbewegend für mich, dass es mir schwer fällt darüber
zu sprechen. Ich realisierte auch schnell, dass währenddem ich
als Trainer noch mit Ruck & Lob gearbeitet hatte, die ganze Zeit
damit verbracht hatte, den Körper des Hundes GEGEN mich einzusetzen
– lehr den Hund zu sitzen, indem Du ihn runterdrückst und
zwing ihn damit, sich gegen den Druck zu stemmen. Wäre es nicht
sinnvoller dem Hund das STEHEN beizubringen, indem man runterdrückt?
JA! Dem Hund beibringen, heranzukommen, indem ich ihn zu mir herziehe?
Nein! Bring dem Hund bei zu kommen, indem Du ihn WEGSTÖSST! Du
musst verstehen, dass zu diesem Zeitpunkt meine ganze Welt in kleine
Stücke zerbricht, aber ich bin zu aufgeregt, um aufzuhören!
Ich beginne zu schaudern, wenn ich nur daran denke. Ich habe während
25 Jahren als Trainer mit Ruck & Lob gearbeitet! Was mich auf den
richtigen Weg brachte, war meine liebe verstorbene Spider und ihre Zähne
in dieser Hundebox. Sie blieb übrigens bei mir und zeigte mir noch
viele andere Sachen, nachdem wir in die richtige Richtung losgegangen
waren.
Sue eh? (schlotternd)
sue.eh@dragonflyllama.com
Copyright Sue Ailsby
Originalversion in Englisch unter: A
Crateful of Teeth
Übersetzung: Simone Fasel
Übersetzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Sue Ailsby.
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