| Mein
Hund hat ein bisschen Defizite im sozialen Bereich. Dies scheint aber
nur ein Problem zu sein, wenn wir ihn an der Leine haben und andere
Hunde aus der Nachbarschaft treffen. Das Problem, welches wir haben
ist, Leinenaggression und deshalb waren wir leider nicht so oft mit
ihm spazieren, da es fast unmöglich ist, zu vermeiden, andere Hunde
in der Nachbarschaft zu treffen.
Die Lerngesetze sagen uns, dass etwas, was verstärkt wird, wieder
auftritt und mit jeder Verstärkung ausgeprägter wird und was
nicht verstärkt wird, schliesslich ausgelöscht wird. Jedes
Mal wenn Du nun mit dem Hund spazierst und es dazu kommen lässt,
dass er durch sich nähernde Hunde in Stress gerät, werden
die Verhalten, die Du NICHT willst verstärkt, gerade so, als würdest
Du diese dem Hund gezielt beibringen.
Also, aufbauend auf den Lerngesetzen gibt es eine Menge Dinge, die Du
tun kannst, um Deinen Hund Erfolg zu ermöglichen. Dass er noch
jung ist, ist sein und Dein Vorteil.
Du wirst merken, dass es enorm hilft, dieses Problem mit dem Clicker
anzugehen. Der Clicker funktioniert als “marker”, wie ein
Abdrücken bei der Kamera, um dem Hund exakt zu sagen, wenn er etwas
richtig macht. Auf diese Weise müssen wir nicht falsche Verhaltensweisen
korrigieren.
Und Strafe ist wahrscheinlich das letzte, was Du in diesem bestimmten
Fall brauchst. Wenn Du jedes Mal angespannt wirst, wenn sich ein anderer
Hund nähert, weil Du weisst, dass Dein Hund reagieren wird, wirst
Du unbewusst die Leine straffen und Deine Körpersprache und Dein
Geruch werden das verstärken, was Dein Hund nun denkt: dass der
entgegenkommende Hund etwas ist, worüber man sich Sorgen machen
muss und was einen in Stress versetzt. Wir verstärken unbewusst
so oft Dinge, die wir nicht wollen. Das passiert einfach.
Deshalb würde ich ein systematisches Desensibilisierungsprogramm
beginnen und ich würde mit Deiner eigenen Körperhaltung beginnen.
Stell Dich so hin, dass Du Deinem Hund “Beruhigungssignale”
übermittelst. Dabei handelt es sich um Ausdrucksverhaltensweisen
von Hunden, die sie verwenden, um miteinander zu kommunizieren. Wie
z.B. Herumschnüfffeln, Kopf abwenden, über die Lippen schlecken,
zur Seite wegdrehen, in einer Stellung erstarren, gähnen. Übe
diese Signale zu geben und die Leine LOCKER zu lassen.
Wenn Du einen entgegenkommenden Hund in der Entfernung siehst, beginn
sofort zu gähnen, strecken, halte an und kraule Tobi. Gib ihm einen
Leckerbissen. Bring ihn dazu sich zu entspannen.
Wenn der andere Hund näher kommt, achte auf die Beruhigungssignale
Deines Hundes. (Carol Whitney auf dieser Liste weiss VIEL über
Beruhigungssignale und kann enorm gut helfen. Dies ist ein wichtiger
Teil der Desensibilisierung und ebenso vorausschauend zu handeln –
das bedeutet, zu lernen, dass man sieht, wann der Hund in Stress gerät
und welche Signale er zeigt.) Er wird damit beginnen diese Signale zu
zeigen.
Er könnte erstarren, er könnte seine Ohren ganz gerade aufstellen,
sein Blick fest auf den entgegenkommenden Hund gerichtet. Achte auf
Stelzen mit den Hinterbeinen und aufgestellte Nackenhaare. Beobachte,
an welchem Punkt dies beginnt. Ist dies 30 Meter weg? 25? 15?
Finde diesen Punkt heraus und dann wirst Du Deine Desensibilisierung
einige Meter VOR dem Punkt beginnen, an dem der Hund normalerweise seine
Stressverhaltensweisen zeigt. Wieso dies?
Du willst das Verhalten nicht AUSLÖSEN: dies bringt es mit sich,
dass Du im Nachhinein reagierst. Stattdessen, willst Du VERHINDERN,
dass das Verhalten ausgelöst wird. Du handelst VORausschauend und
“erwischt” Deinen Hund stattdessen, wie er etwas Richtiges
tut und verstärkst dies.
Halte Deine Taschen immer voll mit den schmackhaftesten, wunderbar duftendsten,
WINZIGEN Leckerbissen, welche weich genug sind, um schnell runtergeschluckt
werden zu können. Du willst nicht, dass der Hund anhalten und kauen
muss und jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um ihm langweiliges
Trockenfutter oder Hundekekse mit Milchgeschmack zu geben.
Nutze Deine hochwirksamen Leckerbissen, wie Katzenfutter oder Hühnchenfleisch
(wärmstens empfohlen!). Der Punkt hierbei ist, dass Du aus Dir
die faszinierendste Hündin der Stadt machst. Du willst die Göttin
sein, die Geberin von allem Guten, die Person, an die man sich wendet,
wenn es beginnt stressig zu werden.
Sei achtsam, wenn ein Hund entgegenkommt und wenn dieser Hund ungefähr
im Bereich ist, an dem Dein Hund damit beginnen wird, seine unangemessenen
Verhaltensweisen zu zeigen, dreh Dich leicht IN den Hund, so dass er
zu Dir schauen muss, damit Du nicht über ihn stolperst.
Clicke oder sage ein klares "Ja!" und gib ihm einen köstlichen
Leckerbissen. Dann beweg Dich einen weiteren Schritt in seinen Platz
hinein, sage Ja oder clicke wieder und gib ihm einen weiteren Leckerbissen.
Mach dies immer weiter, beweg Dich in einer kreisförmigen Weise
in den Hund hinein und weg vom anderen Hund.
Wenn Du in die andere Richtung gehst, beginne Dich zurück zum herankommenden
Hund zu drehen, der nun in der Wohlfühlzone Deines Hundes ankommt.
Belohne weiterhin Blickkontakt zu Dir, verwende Deine glücklichste
Stimme während Du konstant clickst und mit Leckerbissen belohnst
und zeige ein paar Beruhigungssignale wie Gähnen.
Wenn Dein Hund beginnt, den herankommenden Hund zu fixieren, dreh wieder
in ihn hinein und clicke und belohne weiter für Aufmerksamkeit
Dir gegenüber. Das ist ALLES, was Du an diesem Punkt willst. Ihn
davon abzuhalten, den anderen wie besessen zu fixieren.
Wenn der Hund wirklich nah kommt, dreh weiter Kreise und verschieb Dich
ein paar Meter in die andere Richtung, um die Aufmerksamkeit Deines
Hundes auf Dir zu halten, während dem Du wie verrückt clickst
und belohnst.
Der andere Hund wird wahrscheinlich an Dir und Deinem Hund vorbeigehen
ohne dass Dein Hund Zeit hat, in Stress zu geraten.
Fahre damit weiter und richte es so ein, dass Du mit Deinem Hund an
Orten üben kannst, wo andere angeleinte Hunde sind. Je mehr Du
ruhige Verhaltensweisen belohnst, desto schneller wird er realisieren,
dass es nichts gibt, wovor man Angst zu haben braucht, dass es keinen
Grund gibt, andere Hunde herauszufordern, dass er sich nach Dir orientieren
kann und alle guten Dinge von Dir kommen!
In dieser Weise habe ich viele Hunde erfolgreich desensibilisiert, die
ausgeprägte angst-aggressive Verhaltensweisen zeigten. Ein Papillon
kam von einem Züchter, der ihn in einer sehr abgelegenen Umgebung
gehalten hatte, wo er nie Jogger, Skateboardfahrer, Läufer, Velofahrer
etc. gesehen hatte. Jedes einzelne Ding war ein Auslöser für
eine Reaktion und veranlasste ihn zu bellen, sich aufzubauen und in
unaufhörliches Zittern zu verfallen.
Es brauchte ungefähr 3 Monate diesen Hund zu desensibilisieren,
mit täglichen Spaziergängen. Wenn ich mehr spaziert wäre
und zweimal täglich mit ihm raus wäre, hätte ich die
Zeit möglicherweise halbieren können.
Aber ich blieb bei diesem Vorgehen, wenn furchteinflössende Dinge
in seinen Radius eindrangen und habe schliesslich Radfahrer dazu bekommen,
mir zu helfen, indem sie ihr Rad hinlegten, so dass ich clicken und
belohnen konnte fürs immer Näherkommen (wiederum habe ich
Kreise gemacht – dies ist so wertvoll!) und am Ende fürs
Schnüffeln daran, berühren mit einer Pfote und dafür,
dass er einen Leckerbissen von einem Pedal frass!
Das Gleiche mit Inline Skaters. Ich habe einen Skater anhalten, absitzen
und einen Schuh ausziehen lassen und habe den Hund immer näher
zum Skateschuh „hingeclickert“. Am Ende frass der Hund einen
Leckerbissen von einem drehenden Rad!
Systematische Desensibilisierung zu einem frühen Zeitpunkt kann
Dir viele Probleme zu einem späteren Zeitpunkt ersparen.
Folgendes zur Erinnerung: Nie, nie, die Leine anspannen, wenn sich ein
Hund nähert. Dies unterstreicht nur, dass dies etwas Beunruhigendes
ist.
Korrigiere den Hund nie dafür, dass er sich gegenüber einem
andern Hund aggressiv verhält. Ja, ich weiss, dass ist das Gegenteil
von dem, was Du immer gehört hast. Aber wir wissen, dass die Anwendung
von Aggression zur Eliminierung von Aggression sehr heikel ist und selten
funktioniert, ausser der Halter sei extrem erfahren in der Vorgehensweise
und auch dann kann es das Problem verschlimmern. Du fährst weit
besser damit, den Hund abzulenken und dann zu belohnen – die GUTEN
Verhaltensweisen zu verstärken, die er zeigt.
Denk daran Kreise zu gehen. Wenn der Hund einen anderen fixiert und
in dieser Position erstarrt, willst Du nicht hart an der Leine ziehen
müssen, um ihn zum Weitergehen zu bewegen. Beweg Dich IN den Hund
hinein und er wird Dir automatisch seine Aufmerksamkeit schenken. Gib
ihm keine Chance, besessen zu werden, den anderen Hund anzustarren.
Dies ist wirklich ein Schlüsselpunkt: handle vorausschauend und
halte seinen Fokus auf Dir, der Göttin aller guten Dinge!
Zum Schluss empfehle ich noch zwei absolut wunderbare Bücher, welche
all dies so viel einfacher machen werden und Dir Einblick geben, wie
Hunde denken und reagieren und wie Du erwünschtes Verhalten, etablieren
kannst.
Das erste ist eine kleiner Juwel von Turid Rugaas “Calming signals.
Die Beschwichtigungssignale der Hunde“ es kostet nur $9.95 und
ist ungefähr 30 Seiten lang, aber es öffnet dem Leser absolut
die Augen. Es wird klar darstellen, was jede Hundeverhaltensweise, die
Du siehst, bedeutet, und wird es soviel einfacher machen, zu verstehen,
was Dein Hund denkt. Ein wahrer SCHATZ und eines der wertvollsten Bücher
in meinem Regal.
Als nächstes: "Hunde sind anders" von Jean Donaldson
ist meine wärmste Empfehlung und ist allzeit mein Favorit unter
den professionellen Büchern über Hundeverhalten/-training.
Ich habe es mindestens 12 Mal gelesen und nehme jedes Mal mehr raus,
wenn ich es wieder lese. Es überwältigt mich immer wieder.
Es hat den Maxwell Preis für das beste Hundetrainingsbuch im Jahr
1998 erhalten, aber es könnte das beste Hundetrainingsbuch überhaupt
sein. Dies ist meine sehr voreingenommene Meinung! Ich habe von diesem
Buch in einem Mal Durchlesen mehr gelernt, als ich selber in 25 Jahren
gelernt habe. Es enthält VIEL über systematische Desensibilisierung
bei Hund-Hund-Aggressionen. Sehr empfehlenswert!
Abschliessend; es gibt so einige ausgezeichnete Videos, die Dir helfen
können, zu beginnen, aber Deb Jones’ "Click and FIX"
könnte besonders nützlich sein für Dich, um Dir zu helfen,
die Verhaltensweisen, die Du ändern willst, anzugehen. Man erhält
es unter www.ctsproductions.com und ist um einiges mehr wert als der
Preis von $29.95.
Viel Glück und lass uns wissen, wie es läuft! Mein Monster,
Peek—der so ungenügend mit anderen Hunden sozialisiert wurde
als Welpe, geht nun an der Leine wunderbar an anderen Hunden vorbei
ohne jedes Problem. Systematische Desensibilisierung ist ein Erfolg
auf ganzer Linie.
Debi Davis
scripto@azstarnet.com
Copyright 2000 Debi Davis
Originalversion in Englisch unter: Desensitizing
Dogs to other Dogs
Übersetzung: Simone Fasel
Übersetzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Debi Davis.
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